Einleitung
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS, sind eine Gruppe von über 10.000 verschiedenen chemischen Verbindungen, die aufgrund ihrer extremen Stabilität und ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in unzähligen Industrieprozessen und Alltagsprodukten eingesetzt werden. Diese Stabilität, die ihnen den Namen „Ewigkeitschemikalien“ eingebracht hat, stellt jedoch ein wachsendes Problem für die Umwelt und die menschliche Gesundheit dar.
„Die Verbindung chemique Carbone-Fluor ist eine sehr starke Bindung, die schwer zu brechen ist. […] Die PFAS-Verbindungen existieren nicht in der Natur: Sie wurden alle vom Menschen wegen ihrer interessanten Eigenschaften synthetisiert.“
Dieser Bericht beleuchtet die genauen Quellen und Prozesse, wie PFAS in die Umwelt und Nahrung gelangen, welche gesundheitlichen Risiken von ihnen ausgehen und welche Strategien verfolgt werden, um sie wieder zu entfernen.
Es ist ein Thema das leider in der Politik und der Bevölkerung viel zu wenig in Erscheinung tritt, da man sich von unwichtigeren Themen ablenken lässt. Vorab die rechts liegenden Parteien sollten solche Themen aufgreifen.
1. Ursprung: Woher kommen PFAS genau?
PFAS werden seit den späten 1940er-Jahren industriell hergestellt und kommen in der Natur nicht vor.
„PFAS werden von der Industrie hergestellt und entstehen auch durch chemische Prozesse in Verbrennungsanlagen.“
1.1 Konkrete Produkte mit PFAS im Alltag
Die Chemikalien werden wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in einer Vielzahl von Produkten eingesetzt:
Küche und Haushalt:
Antihaftbeschichtungen: Bei Pfannen (z.B. Teflon/PTFE), Elektro-Grills, Waffeleisen, Backformen
Lebensmittelverpackungen: Beschichtete Fast-Food-Verpackungen, fettabweisendes Papier, Backpapier, Mikrowellen-Popcorn-Tüten
Kunststoffe: Kabelummantelungen, Klebeetiketten
Textilien und Kleidung:
Outdoorbekleidung: Regenjacken, Wanderstiefel, Zelte – alles, was als „wasserabweisend“ gekennzeichnet ist
Imprägniermittel: Sprays für Kleidung, Schuhe, Taschen
Wohntextilien: Flecken- und feuchtigkeitsabweisende Polster, Teppiche, Sofas, Vorhänge
Körperpflege und Kosmetik:
Kosmetika: Zahnseide, Sonnencreme, Make-up (z.B. Foundations, Lipstick), Nagellack, Menstruationsprodukte
Hinweis: Auf Inhaltsstoffe wie „fluoro“ oder „PTFE“ achten
Weitere Produkte:
Feuerlöschschäume: Besonders auf Flughäfen, Militärbasen, Raffinerien und Übungsplätzen
Freizeit: Skiwachse, Kletterseile, Antibeschlagmittel für Brillen
Industrie: Elektronik, Medizinprodukte, Solarzellen, Schmiermittel, Farben, Lacke, Pflanzenschutzmittel
2. Prozesse: Wie gelangen PFAS aus Produkten in die Umwelt?
PFAS werden während des gesamten Lebenszyklus eines Produkts freigesetzt: bei der Herstellung, während der Nutzung und bei der Entsorgung.
„Bei ihrer Herstellung und Verarbeitung werden sie aus industriellen Anlagen in die Luft freigesetzt. Andererseits lösen sie sich später aus den fertigen Produkten, etwa wenn synthetische mit PFAS behandelte Stoffe gewaschen werden. Gegenstände, die PFAS enthalten, können diese auch ausdünsten oder die PFAS setzen sich über Abrieb frei.“
„Durch Auswaschen aus Produkten auf Deponien oder im Gebrauch“ und „Über Industrieabwässer aus Fabriken“ gelangen sie in die Umwelt.
Die drei Hauptfreisetzungswege im Detail
1. Industrieabwässer und Emissionen: Fabriken, die PFAS herstellen oder verarbeiten, geben sie über Abwasser in Flüsse oder über Abluft in die Atmosphäre ab.
2. Nutzungsphase: Beim Waschen von Funktionskleidung oder beim Auftragen von Imprägniersprays werden PFAS ausgewaschen oder als Aerosol eingeatmet. Auch der Abrieb von Teppichfasern führt zu belastetem Hausstaub.
3. Entsorgung (Deponien): Werfen wir ein beschichtetes Papier oder eine alte Pfanne weg, landen sie auf der Deponie. Die Produkte verrotten, aber die PFAS nicht.
„Ein einfaches Beispiel: Das mit PFAS imprägnierte ‚fettabweisende‘ Papier wird sich nach einigen Monaten/Jahren zersetzen, und die PFAS werden in den Boden und das Grundwasser eindringen.“
4. Klärschlamm als Dünger: Kläranlagen können PFAS nicht vollständig herausfiltern. Die Chemikalien reichern sich im Klärschlamm an. Wurde dieser Schlamm in der Vergangenheit (und teilweise heute noch) als Dünger auf Felder ausgebracht, gelangten die PFAS direkt in den Boden.
„PFOS gelangte vor allem aus Abwässern von Industriebetrieben in die Kläranlagen und lagerte sich im Klärschlamm ab. Bis 2006 war es in der Schweiz erlaubt, Klärschlämme als Dünger auszubringen.“
3. Eintragswege von PFAS in die Nahrung
Von diesen Umweltquellen aus gelangen die Chemikalien in die Nahrungskette. Die Hauptquellen für die Umweltkontamination sind zusammengefasst:
– Industrielle Emissionen und kommunale Kläranlagen
– Die Ausbringung von belastetem Klärschlamm als Dünger in der Landwirtschaft
– Atmosphärische Deposition (PFAS-Partikel aus der Luft, die über Niederschläge in Böden und Gewässer gelangen)
– Der Einsatz von Feuerlöschschäumen
Von dort aus ist der Weg in die Nahrung klar:
„Insbesondere langkettige PFAS werden von Pflanzenwurzeln aus dem Boden aufgenommen und in den Pflanzenteilen (z.B. im Getreide oder Gemüse) gespeichert. Kurzkettige, wasserlösliche PFAS hingegen versickern oft ins Grundwasser.“
„Nutztiere nehmen PFAS über belastetes Futter (z.B. Gras oder Mais von kontaminierten Feldern) oder über verschmutztes Trinkwasser auf. Auch Fische in belasteten Flüssen und Seen reichern die Stoffe über ihr Futter und das Wasser an.“
Auf diese Weise entstehen belastete Lebensmittel. Besonders betroffen sind Fisch, Fleisch, Eier, Milchprodukte und bestimmte pflanzliche Erzeugnisse. Ein direkterer Weg ist die Migration aus Verpackungen:
„Ein weiterer, direkter Weg ist die Migration von PFAS aus beschichteten Einwegverpackungen (z.B. für Fast Food) in das Lebensmittel.“
4. Gesundheitliche Auswirkungen von PFAS
Einmal über die Nahrung oder das Trinkwasser aufgenommen, reichern sich PFAS im menschlichen Körper an. Besonders langkettige Vertreter wie PFOA und PFOS sind problematisch, da ihre Ausscheidung mehrere Jahre dauern kann (Hallwertszeiten von bis zu 5 Jahren).
Die gesundheitlichen Wirkungen sind vielfältig und werden von Behörden wie dem Umweltbundesamt und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als ernsthaft eingestuft:
Schwächung des Immunsystems: „Dies ist einer der sensibelsten Effekte. PFAS können die Antikörperbildung nach Impfungen verringern und die Infektanfälligkeit erhöhen.“
Lebererkrankungen: „Sie können zu erhöhten Leberwerten und Störungen des Leberstoffwechsels führen.“
Störungen des Hormon- und Stoffwechsels: Dazu gehören eine Erhöhung des Cholesterinspiegels und die Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktion.
Fortpflanzungsstörungen: Es gibt Hinweise auf ein vermindertes Geburtsgewicht, Schwangerschaftskomplikationen und Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit.
Krebs: „Einige PFAS wie Perfluoroctansäure (PFOA) werden von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als ‚krebserregend für den Menschen‘ (Gruppe 1) eingestuft.“
Die wirtschaftliche Dimension dieser Gesundheitsfolgen ist enorm:
„Ein EU-Bericht beziffert die jährlichen Gesundheitskosten durch PFAS in Europa auf 39,5 Milliarden Euro.“
5. Strategien zur Entfernung von PFAS
Die Beseitigung von PFAS ist aufgrund ihrer chemischen Stabilität eine enorme technische und wirtschaftliche Herausforderung. Die Ansätze lassen sich in Vermeidung, Sanierung und körpereigene Eliminierung unterteilen.
5.1 Vermeidung als wichtigste Strategie
Da eine spätere Sanierung extrem aufwendig ist, steht die Vermeidung des Eintrags an erster Stelle.
„Ein von mehreren EU-Ländern vorangetriebenes Verbot der gesamten PFAS-Stoffgruppe (mit wenigen Ausnahmen) wird derzeit auf EU-Ebene geprüft. Laut EU-Report wäre ein Produktionsstopp die kostengünstigste Variante im Vergleich zu späteren Sanierungen.“
Auf individueller Ebene können Verbraucher auf PFAS-freie Alternativen achten:
– Kochgeschirr ohne Antihaftbeschichtung (z.B. Edelstahl, Gusseisen, Keramik)
– Outdoor-Kleidung ohne Imprägnierung oder mit alternativen Imprägnierungen
– Verzicht auf beschichtete Einwegverpackungen und fettabweisendes Papier
5.2 Sanierung von Umwelt und Wasser
Die Sanierung bereits erfolgter Kontaminationen ist komplex und teuer. Die Gesamtkosten für Sanierung und Gesundheitsausgaben in Europa:
„Könnten bis 2050 auf bis zu 1,7 Billionen Euro steigen.“
Wasseraufbereitung:
„Wasserversorger setzen Verfahren wie Aktivkohlefilter, Ionenaustauscher oder Umkehrosmose ein, um PFAS aus dem Wasser zu filtern. Allerdings sind kurzkettige PFAS mit Aktivkohle nur schwer entfernbar, weshalb an neuen, modularen Verfahren geforscht wird.“
Bodensanierung:
Für stark belastete Böden (sogenannte „Hot Spots“):
„Bleibt oft nur die thermische Behandlung bei über 1200 °C oder das Auskoffern und Deponieren des Materials. Bei der Deponierung muss durch spezielle Matten verhindert werden, dass PFAS mit dem Sickerwasser erneut austreten.“
Für flächenhafte Belastungen in der Landwirtschaft gibt es derzeit keine wirtschaftliche Sanierungsmethode.
5.3 Entfernung aus dem Körper
„Es gibt derzeit keine Medikamente, um PFAS gezielt und schnell aus dem Körper auszuschwemmen. Der Körper baut sie im Laufe der Zeit langsam ab. Der beste Schutz ist daher die Minimierung der weiteren Aufnahme.“
6. Zusammenfassung
| Aspekt | Kurz & Knapp |
|---|---|
| Herkunft/Produkte | PFAS sind menschengemachte Chemikalien seit den 1940ern. Sie finden sich in Antihaftpfannen, imprägnierter Kleidung, Kosmetik, Feuerlöschschäumen, Lebensmittelverpackungen und vielen weiteren Produkten. |
| Wege in die Umwelt | Freisetzung bei Produktion (Industrieabwässer), Nutzung (Auswaschung beim Waschen, Abrieb) und Entsorgung (Deponien, Klärschlamm). |
| Wege in die Nahrung | Über kontaminierte Böden und Gewässer in Pflanzen und Tiere ➔ Anreicherung in Fisch, Fleisch, Eiern, Milchprodukten. Direkt auch aus Verpackungen. |
| Gesundheitsfolgen | Schwächung des Immunsystems, Leberschäden, erhöhte Cholesterinwerte, Fortpflanzungsstörungen und Krebsrisiko (PFOA). |
| Lösungsansätze | 1. Vermeiden: EU-weites Produktionsverbot, Verzicht auf beschichtete Produkte. 2. Sanieren: Aufwendige Filterung von Trinkwasser (Aktivkohle, Umkehrosmose) und Verbrennung von belasteten Böden (>1200°C). |
7. Fazit
PFAS stellen aufgrund ihrer Persistenz und ihrer vielfältigen gesundheitlichen Schäden eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Die Chemikalien gelangen über verschiedene Umweltpfade in die Nahrungskette und reichern sich im menschlichen Körper an. Die effektivste und wirtschaftlichste Lösung liegt in einem konsequenten Verbot der gesamten Stoffgruppe, um weitere Einträge zu verhindern. Die Sanierung der bestehenden Altlasten wird eine Generationenaufgabe sein, die enorme finanzielle Ressourcen binden wird.
„PFAS sind überall. Sie sind in unseren Flüssen, in unseren Böden, in unseren Lebensmitteln und in unserem Blut. Wir haben sie erfunden, wir haben sie verbreitet – und jetzt müssen wir einen Weg finden, sie wieder loszuwerden.“
Quellen
-
Umweltbundesamt (UBA)
-
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)
-
EU-Bericht zu PFAS
-
Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC)
-
Bundesamt für Umwelt (BAFU), Schweiz